RWA und tägliche Lüftung – wo liegt der Unterschied in der Planung?

Irene Heiken

Wartebereich im Flughafen mit Holzsitzen und großen Fenstern, helle Atmosphäre.

In der Gebäudeautomation werden Fensterantriebe oft als „Multitalente“ wahrgenommen. Doch wer Systeme für den Rauch- und Wärmeabzug (RWA) mit Lösungen für die tägliche Lüftung vergleicht, stellt fest: Technisch und normativ liegen Welten dazwischen. Für Planer, Fensterbauer und Elektroinstallateure ist die strikte Trennung – oder die fachgerechte Kombination – dieser Disziplinen entscheidend für Haftung und Funktionalität.

1. RWA: Sicherheit hat absolute Priorität

Ein RWA-System ist eine Brandschutzeinrichtung. Sein einziges Ziel ist es, im Ernstfall Leben zu retten, indem es Fluchtwege rauchfrei hält.

  • Energieversorgung: RWA-Antriebe arbeiten fast ausschließlich mit 24V DC. Der Grund ist die Notstromversorgung: Im Brandfall fällt oft das Netz aus. Akkumulatoren in der RWA-Zentrale müssen das System für mindestens 72 Stunden betriebsbereit halten.
  • Geschwindigkeit: Im Alarmfall zählt jede Sekunde. RWA-Antriebe müssen das Fenster in der Regel innerhalb von 60 Sekunden voll öffnen.
  • Normung: Hier greift die DIN EN 12101-2. Antriebe und Profile müssen als Einheit (NRWG) geprüft und zertifiziert sein.

2. Tägliche Lüftung: Fokus auf Komfort und Langlebigkeit

Bei der kontrollierten natürlichen Lüftung (KNL) geht es um Raumluftqualität (CO2-Gehalt) und thermischen Komfort.

  • Betriebsspannung: Hier kommen oft 230V AC Antriebe zum Einsatz, da sie ohne externe Netzteile direkt an die Hausinstallation angeschlossen werden können.
  • Geräuschentwicklung: Während ein RWA-Antrieb laut sein darf, muss die tägliche Lüftung flüsterleise erfolgen, um den Bürobetrieb oder Schlaf nicht zu stören.
  • Intelligenz: Moderne Lüftungsantriebe (z. B. mit MotorLink®-Technologie) bieten millimetergenaue Positionierung und eine Zwei-Wege-Kommunikation mit der Gebäudeleittechnik.

3. Die Herausforderung der kombinierten Nutzung

Oft sollen Fenster beide Aufgaben übernehmen. In diesem Fall muss die Planung die strengeren RWA-Vorgaben als Basis nehmen. Das bedeutet: 24V-Technik, zertifizierte Beschläge und eine vorrangige Schaltung der RWA-Zentrale gegenüber Komfort-Befehlen.

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