Auf Dachfenstern und Lichtkuppeln liegt im Winter Schnee, an der Fassade drückt und saugt der Wind. Beides beeinflusst, wie stark ein Fensterantrieb sein muss und wann er besser geschlossen bleibt. Hier sehen Sie, wie Sie Schnee- und Windlast bei der Auswahl berücksichtigen.
Kurz erklärt: Schnee auf dem Flügel muss beim Öffnen mit angehoben werden. Als grobe Abschätzung addieren Sie die Schneelast (N/m² × Flügelfläche) zum Flügelgewicht und rechnen mit der bekannten Näherung F ≈ 0,54 × Last. Wind ist vor allem eine Frage des sicheren Schließens: Ein Wind- und Regensensor fährt geöffnete Fenster rechtzeitig zu.
Wie Schnee die nötige Kraft erhöht
Bei einer Lichtkuppel oder einem flachen Dachflügel hebt der Antrieb fast das ganze Gewicht. Liegt Schnee darauf, kommt dessen Gewicht hinzu. Die Grundformel kennen Sie aus dem Ratgeber Schubkraft berechnen: F ≈ 0,54 × G. Mit Schnee wird daraus F ≈ 0,54 × (G + S), wobei S die Schneelast auf dem Flügel in Newton ist.
Rechenbeispiel: Lichtkuppel 1,2 × 1,2 m
| Schneelast | Last auf 1,44 m² | Berechnung | Kraft ohne Reserve |
|---|---|---|---|
| ohne Schnee | 0 N | 0,54 × 392 N | ca. 212 N |
| 250 N/m² | 360 N | 0,54 × (392 + 360) N | ca. 406 N |
| 500 N/m² | 720 N | 0,54 × (392 + 720) N | ca. 600 N |
| 1000 N/m² | 1440 N | 0,54 × (392 + 1440) N | ca. 989 N |
Angenommen ist ein Flügelgewicht von 40 kg (392 N). Schon eine mäßige Schneedecke verdoppelt die nötige Kraft. Planen Sie zusätzlich eine deutliche Reserve ein. Für Lichtkuppeln mit Schneelast ist ein Linearantrieb VS-LA mit 600 bis 5.000 N meist die sichere Wahl.
Welche Schneelast ist anzusetzen?
Für die Tragwerksplanung gilt in Deutschland DIN EN 1991-1-3 mit dem Nationalen Anhang. Deutschland ist in Schneelastzonen eingeteilt, die Last auf dem Boden (sk) steigt mit der Zone und der Geländehöhe. Auf dem Dach gilt s = μ × sk, für Dachneigungen bis 30° ist der Formbeiwert μ = 0,8. Ein Beispiel: In Schneelastzone 2 beträgt der Mindestwert sk = 0,85 kN/m². Daraus ergeben sich auf einem flachen Dach rund 0,68 kN/m², also etwa 680 N/m².
Für das norddeutsche Tiefland sieht der Nationale Anhang zusätzlich eine außergewöhnliche Schneelast vor. Die genauen Werte für Ihren Standort ermittelt der Tragwerksplaner. Bei RWA-Geräten steht die Schneelast als Klasse SL in der Leistungserklärung, mehr dazu unter RWA-Normen.
Für die tägliche Lüftung gilt: Bei dicker Schneedecke sollte ein Lüftungsfenster gar nicht öffnen. Wird der Flügel zu schwer, schützt die Lastabschaltung den Antrieb vor Überlastung.
Windlast: geschlossen halten und rechtzeitig schließen
Wind wirkt auf ein geschlossenes Fenster als Druck oder Sog. Dann muss der Flügel sicher in der Verriegelung bzw. am Antrieb gehalten werden. Achten Sie im Datenblatt auf die Zuhaltekraft des Antriebs. Bei geöffneten Flügeln kann eine Böe den Flügel stark belasten. Deshalb sollte ein Wind-Regen-Lichtsensor geöffnete Fenster ab einer eingestellten Windstärke automatisch schließen.
Für die Gebäudeplanung legt DIN EN 1991-1-4 die Windlasten nach Windzonen fest, an der Küste sind sie höher als im Binnenland. Bei RWA-Geräten beschreibt die Klasse WL, welcher Windlast das geschlossene Gerät standhält. Für exponierte Fassaden empfehlen sich Antriebe mit hoher Schutzart, etwa der Zahnstangenantrieb VS-ZA mit IP65.
Checkliste für Dach und Fassade
- Flügelgewicht und Fläche ermitteln
- Schneelast aus Planung oder Brandschutzkonzept übernehmen
- Kraft mit F ≈ 0,54 × (G + S) abschätzen und Reserve aufschlagen
- Zuhaltekraft und Schutzart im Datenblatt prüfen
- Wind- und Regensensor für Lüftungsfenster vorsehen
Häufige Fragen
Darf ein Lüftungsfenster bei Schnee öffnen?
Besser nicht. Bei Schnee kann der Flügel überlastet werden und Schnee in das Gebäude fallen. Für die Lüftung sollte das Fenster bei Schnee geschlossen bleiben.
Hilft ein stärkerer Antrieb gegen Wind?
Nur bedingt. Wichtiger sind eine ausreichende Zuhaltekraft, eine sichere Verriegelung und ein Sensor, der das Fenster bei Wind schließt.
Welche Schneelastklasse brauche ich für RWA?
Das legt das Brandschutzkonzept oder die Ausschreibung fest. Das Rauchabzugsgerät muss die geforderte Klasse SL nach DIN EN 12101-2 erfüllen.
Sie sind unsicher, welcher Antrieb reicht? Schicken Sie uns Maße, Gewicht und die anzusetzende Schneelast über die Projektanfrage. Wir rechnen die Kraft nach und schlagen den passenden Antrieb vor.
